Katharina und Sofie
13. März 2008Heute ist Kathi zum ersten Mal einen ganzen Vormittag allein zu Hause.
Katharina und ihre Mutter kommen aus Russland. Da Kathis Mama auf
Stellensuche ist, fuhr sie heute ganz früh in die Stadt zum Arbeitsamt.
Sie wollte bis Mittag wieder zu Hause sein.
Ausgerechnet heute ist Kathi schon so früh aufgewacht.
Es ist halb acht Uhr.
Kathi hat Hunger. Sie geht in die Küche und freut sich, dass Mutti
schon ihr Lieblingsmüsli auf den Tisch gestellt hat. Schoko-Müsli, lecker!
Das Haus, in dem die beiden jetzt wohnen, hat früher einmal einer
Tante gehört. Kathis Mutter hat es geerbt. Es ist nicht groß,
aber sehr liebevoll eingerichtet. Viele alte Gemälde hängen an den Wänden.
Im Wohnzimmer befindet sich ein grüner Kachelofen, der das ganze
Haus beheizt.
Kathis Zimmer liegt im ersten Stock. Sie hat noch keine Spielsachen,
außer einer kleinen Puppe, die sie im Flugzeug in ihrem Rucksack
mitnehmen konnte.
Da sie erst eine Woche hier wohnen, hat Kathi auch noch keine
Freunde gefunden.
Katja kommt aus einer Großstadt. Sie ist es gar nicht gewohnt, so viel
Grün um sich zu haben. Aber es gefällt ihr!
Hier im Dorf gibt es einen kleinen Laden. Kathi war schon mit ihrer
Mama beim Einkaufen dort.
Die freundliche Verkäuferin hat Kathi einen Schoko-Lutscher geschenkt.
Und weil Kathi Schokolade über alles liebt, würde sie gerne jeden Tag
dort einkaufen gehen.
Als Katja mit dem Frühstück fertig war, überlegt sie, was sie heute
unternehmen könnte.
Zunächst aber muss sie erst den Tisch abräumen und das Geschirr
in die Spüle stellen.
Mama legt großen Wert darauf, dass immer alles ordentlich ist.
Katja sieht zum Fenster hinaus und ist sicher, dass heute ein wunder-
schöner Tag werden wird. Die Sonne scheint schon zum Küchenfenster
herein.
Nachdem sie sich fertig angezogen- und Zähne geputzt hatte, geht sie
in den Garten.
Hier blühen blaue Vergißmeinnicht und dazwischen viele Schlüsselblumen.
Katja geht zu den Blumen und riecht daran. Sie hat eine sehr feine Nase.
Die Schlüsselblumen haben es ihr angetan. Immer wieder schnuppert sie daran.
Ihr Duft erinnert Kathi an Mamas Parfüm.
Im Garten steht eine kleine Holzbank. Darauf setzt sich Kathi und genießt die warmen Sonnenstrahlen. Aber mit der Zeit wird es ihr langweilig.
Sie geht hinein um etwas zu trinken. Als ihr Durst gestillt war, holt sie
sich ihren Malblock und Farbstifte und versucht zu malen, was sie im
Garten gesehen hatte.
Zuerst zeichnet sie eine große Sonne, mit einem lachenden Gesicht. Dann einen Baum, daneben eine Bank, ganz viel grünes Gras, blaue Vergißmeinnicht und ganz viele Schlüsselblumen.
“Schade”, dachte Katja, “dass man auf dem Papier nicht riechen kann, wie gut die gelben Blumen duften”.
Auf einmal hatte sie eine gute Idee. Sie lief in Mamas Schlafzimmer. Am Nachtkästchen stand das feine Parfüm. Sie nahm es mit und gab ein paar Tropfen davon auf ihr Bild. Sie wedelte das Blatt hin und her und es duftete tatsächlich ein wenig nach Schlüsselblumen.
Katjas Bild war längst fertig, aber die Zeit bis Mama kam, war noch so lange.
Plötzlich hörte sie etwas. Katja sah zum Fenster und erblickte eine weiße Katze. Katzen waren ihre Lieblingstiere. Schnell sprang sie zur Türe hinaus und wollte mit der Katze spielen. “Koschka!”, rief sie liebevoll. “Komm Koschka!” Aber die Katze schien sie nicht zu verstehen. Denn die machte einen Satz vom Fensterbrett und hüpfte vom Garten über den Zaun. Am Straßenrand blieb sie sitzen.
Jetzt hatte es Katja sehr eilig. Schnell schloß sie die Haustür zu und steckte den Schlüssel in ihre Hosentasche. Auf einmal hatte sie ganz vergessen, dass Mama gesagt hat, sie soll zu Hause bleiben.
Als sich Katja der Katze näherte, lief diese weg.
Katja war traurig. Aber sie konnte die Katze immer noch sehen. Also ging sie ihr ganz langsam hinterher.
Katja sah, wie die Katze in einem alten Holzschuppen verschwand.
Vorsichtig tastete sich Katja heran. Sie schaute in die Hütte, aber sie sah nichts.
Doch jetzt hörte sie etwas miauen. Katja ging ganz leise hinein. Ein bißchen mulmig war ihr schon zu Mute.
Auf einem Strohballen saßen 3 kleine Kätzchen und haben schon auf ihre Mama gewartet.
Katja war von diesem Anblick begeistert. Behutsam nahm sie eines der Kätzchen und drückte es ganz vorsichtig an ihre Wange.
Kathi war so mit den Kätzchen beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkte, wie der Bauer hereinkam dem dieser Schuppen gehörte.
Als der Bauer sie sah, lachte er und fragte sie nach ihrem Namen. Katja brachte kein Wort heraus. Sie war stumm vor Schreck!
“Also ich bin Ludwig Schöttele”, sagte der Bauer und die 3 Katzenbabys haben auch einen Namen. Möchtest du wissen wie sie heißen?”
Katja nickte nur zustimmend mit dem Kopf.
“Der rotgetigerte Kater heißt Moritz und die beiden schwarzen Kätzchen sind Lilly und Schnurry!”
In diesem Augenblick ertönte von draussen ein lautes: “Papa wo bist du”?
“Hier im Schuppen bei den Kätzchen bin ich und da ist noch jemand bei mir”!
Neugierig schaut ein blonder Lockenkopf zum Tor herein.
“Hallo Papa, da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht”.
“Nun hast du mich ja gefunden Sofie. Schau mal wir haben Besuch bekommen”!
“Hallo, wie heißt du denn”?, sagte Sofie und schaute dabei etwas verwundert.
Langsam wich Katjas Angst und so sagte sie, wenn auch etwas leise: “Katharina”!
“Ich bin Sofie und das ist mein allerweltbester Papa”! Und dabei drückte Sofie ihren Papa so fest, als ob sie ihn auf keinen Fall mit jemand anderem teilen wollte.
“Ich werde sieben und du”?, fragte Sofie. “Ich auch”, sagte Katja und die beiden Mädchen mussten lachen. Und als sie bemerkten, dass sie auch noch die gleiche Zahnlücke hatten, lachten sie noch mehr.
Bauer Schöttele wusste zwar nicht, was die Mädchen so lustig fanden, aber er freute sich, dass Katja ihre Sprache wiedergefunden und seine Tochter nun endlich eine Freundin im gleichen Alter hatte.
- Teil 1 - E N D E -
